Das Desaster mit der neuen Kühlanlage

Ist zu Hause der Kühlschrank kaputt, geht man in das Elektrofachgeschäft seines Vertrauens, sucht sich einen Kühlschrank aus, lässt ihn liefern und der alte wird gleich noch mitgenommen und entsorgt. Man steckt den Stecker in die Steckdose, der Kühlschrank fängt an zu brummen und produziert Kälte. Alles ganz einfach, bei Weitem jedoch nicht so auf einem Schiff.

Wir haben bei uns an Bord in unserem sehr großen Kühlschrank zwei Kühlsysteme, denn eins kann ja unterwegs mal kaputt gehen und dann ist das eine ziemliche Katastrophe, denn dann gibt es kein kaltes Bier! Unser 15 Jahre altes zweites Kühlaggregat hat im letzten Jahr den Geist aufgegeben und so haben wir ein neues aus Deutschland mitgebracht. Für Wolli ist es die dritte Anlage, die er einbaut, also er ist da schon recht routiniert.

So eine Kühlanlage besteht aus zwei Elementen.

Erstens der Verdampfer, er wird in den Kühlschrank eingebaut und mit einem sehr langen Kupferrohr mit dem Kompressor, der ausserhalb des Kühlschranks montiert wird, bei uns unter dem Schrank unter der Spüle verbunden.

Verdampfer

 Das ist der Verdampfer, das Kupferrohr schön in Bogen gelegt.

Aggregat-mit-Kompressor

Das ist der Kompressor,

Zuerst musste die alte Anlage demontiert werden.

Alte-Anlage-demontieren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch hier ist wieder Akrobatik angesagt, denn die Platzverhältnisse sind auf einem Schiff eben nicht besonders großzügig.

Die Verbindungskupplung zwischen altem Verdampfer und Kompressor ließ sich nicht mehr öffnen, also her mit der Säge, das Ding kommt sowieso in den Schrott.

Wolli-mit-Saege

Wenn nichts mehr geht, wird mit der Säge oder dem Hammer repariert. In diesem Fall musste die Säge herhalten.

Nachdem die alte Anlage demontiert war, ging es an die Montage des neuen Verdampfers im Kühlschrank. Dazu muss das Kupferrohr in die passende Richtung gebogen werden. Und hier zu haben wir natürlich eine Rohrbiegezange an Bord!

Rohrbiegezange

 Mit der Rohrbiegezange wird das Kupferrohr in die richtige Position gebogen

Kupferrohr

Der Rest des langen Ungetüms muss nun, nachdem der Verdampfer im Kühlschrank angebracht ist, durch ein kleines Loch in der Kühlschrankwand zum Kompressor im Schrank neben dem Kühlschrank gefädelt, geschoben, gezogen, gebogen und gedrückt werden!

Aber auch das haben wir alles wunderbar hinbekommen. Der Kompressor wurde mit dem Verdampfer verbunden, hier muss man aufpassen, dass man keinen Fehler macht, denn im Gerät befindet sich Kühlmittel und das darf nicht entweichen. Aber auch das hat alles bestens geklappt.

Neu-und-alt

Neues und altes Aggregat Seite an Seite

Und nun wird es spannend. Wir schalten die Anlage ein und warten gespannt auf kalte Luft. Doch leider produziert die Kühlanlage außer warmer Luft nichts. Große Enttäuschung macht sich breit.

Als erstes ruft Wolli Freund Holger an. Holger kennt sich mit Kühlanlagen bestens aus und wir schätzen immer seinen technischen Rat. Er vermutet, dass die Kühlanlage zu wenig Kühlmittel hat. Wir haben also über die Werft einen Kältetechniker kommen lassen. Dieser hat bestätigt, dass Wolli die Kühlanlage perfekt eingebaut hat, er hätte noch nie von einem Eigner so eine eingebaute Anlage gesehen, das hat Wolli natürlich gefreut. Er checkte das Kühlmittel, es fehlte nichts, er checkte den Übergang von Kompressor zum Verdampfer, ob die Kupplungen richtig durchgestoßen wurden, alles ok. Er stellte dann fest, dass der Kompressor nicht richtig arbeitet. Nun war guter Rat teuer. Wir hatten noch zwei Wochen Zeit, bis wir ins Wasser gingen und saßen auf unserer Insel Leros.

Durch die guten Beziehungen von Freund Holger zur Firma Waeco, bei der wir die Anlage gekauft hatten, wurde uns sofort eine Ersatzanlage geschickt.

Das hieß aber für uns die ganze Montage wieder rückwärts! Dass wir darüber mehr als begeistert waren, kann man wahrscheinlich nachvollziehen.

Wir packten also die zuerst montierte Anlage wieder in die Kartons

Alter-Verdampfer-im-Karton

Irgendwie haben wir das Ungetüm von Kupferfohr da wieder in den Karton gewürgt.

Innerhalb von wenigen Tagen wurde die neue Anlage zum Schiff geliefert.

Ersatzanlage-an-Bord-gehiev

 Die Ersatz-Anlage wird an Bord gehievt.

Als wir diese Anlage auspackten, stellten wir fest, dass das Kupferrohr am Verdampfer eine Isolierung hatte, das kannten wir nicht und machte uns etwas stutzig

Zweiter-Verdampfer

 Der neu gelieferte Verdampfer

Wolli-mit-Anlage

Wolli mit gelieferter Ersatzanlage, hoffentlich geht dieses Mal alles gut! Wir hatten irgendwie ein komisches Bauchgefühl.

Als wir den Verdampfer öffneten, stellten wir fest, dass das Kapillarrohr, das den Thermostaten steuert, also die Anlage ein- und ausschaltet, einen sehr starken Knick hat. Wenn das mal gut geht!

Kapillarrohr-alt

 Bei dem Verdampfer der ersten Anlage war das Kapillarrohr schön aufgewickelt

Kapillarrohr1

Bei der gelieferten Ersatzanlage war das Kapillarrohr irgendwie zusammen gewurstelt und vor allen Dingen gefiel uns der Knick überhaupt nicht.

Wir ließen uns davon jedoch nicht abhalten, die Anlage zu installieren. Also wieder das lange Kupferrohr mit der Rohrbiegezange gebogen und das Ungetüm, dieses Mal mit Isolierung irgendwie in den Kühlraum gebracht und wieder durch das Loch in der Wand in den Schrank gezogen, gestoßen, gedrückt und dabei mehr als einmal ordentlich geflucht.

Kupferrohr-quer-durch-den-S

 Das Ungetüm von Kupferrohr, dieses Mal mit Isolierung muss wieder bewältigt werden. Aber wir haben ja jetzt darin Übung!

Wir schließen die Anlage an, und siehe da zu unserer großen Freude, sie kühlt und kühlt und kühlt. Sie kühlt so weit runter, dass sie gar nicht mehr abstellt. Unsere Vermutung, dass der Knick im Kapillarrohr die Ursache dafür ist, dass der Thermostat nicht arbeitet, hat sich also bestätigt. Vielleicht kann man sich vorstellen, welchen Level unser Adrenalinspiegel erreicht hatte. Jetzt kam Freund Holger mit seiner guten Beziehung zu Waeco wieder ins Spiel. Wir verabredeten mit Waeco, dass Wolli die beiden Thermostaten vom zuerst gelieferten Verdampfer, der ja ok war mit dem defekten selbst austauscht und wir trotzdem unsere Garantie nicht verlieren. Gemacht getan.

Therrmostat

 Wolli mit dem ausgebauten Thermostaten der ersten Anlage

Nachdem die Thermostaten ausgetauscht waren, hat die Anlage, wie erwartet, an und abgeschaltet.

Wir stellten dann noch fest, dass der Ventilator am Aggregat falsch herum installiert war. Er sog die warme Luft vom Kompressor durch die Kühllamellen anstatt kalte Luft durch die Kühllamellen zu saugen.

Ventilator

 Diese Kleinigkeit, den Ventilator umzudrehen hat Wolli dann auch noch schnell gemacht und dann lief unsere Anlage wie verrückt und schaltet ein und aus, so wie wir es wünschen.

Fazit: Wolli hat in seinem nächsten Leben viele Berufe aber einer wird sicher Kältetechniker sein!

Gerade erreicht uns eine Mail von Waeco, dass die Reklamation berechtigt war und uns die hohen Portokosten für den Rücksendung der defekten Anlage erstattet werden.  Das Paket von Griechenland nach Deutschland hat mit seinen 11 kg sage und schreibe Euro 66,69 gekostet!

Ein ganz besonderer Dank an dieser Stelle unserem Freund Holger. Sollte übrigens jemand mal einen Dieselgenerator brauchen, dann wissen wir eine gute Adresse! So Holger, jetzt haben wir mal ein bisschen Werbung für Dich gemacht, das muss auch mal sein!

 

6 Gedanken zu „Das Desaster mit der neuen Kühlanlage

  1. Kaum zu glauben, dass alles noch geklappt hat!
    Nun werden die ersten Gäste kühles Bier und Tonic genießen können wie ich(Wally) damals.
    Allen Beteiligten ein dickes Lob und weiter ohne irgendwelche Zwischenfälle!
    Habt einfach eine schöne Zeit!
    Liebe Grüße aus Lindow

  2. Um Himmels Willen, was wäre gewesen, wenn Wolli nicht auch dem „Kälteproblem“ auf die Spuhr gekommen wäre: warmer Gin und warmer Tonic – warmer Yes-Please – brr!!!
    Herzlichen Glückwunsch zur gelungenen, wenn auch aufwendigen Reparatur.
    Allerdings stellten wir beim Betrachten der Reparaturarbeiten fest: der Arbeitsschutz auf der Anahita sollte dringend mal überprüft werden: beim Segen war das Bein doch gefährlich nahe!!!

    Euch beiden alles Liebe und einen leckeren kalten Yes-Please zur Begrüßung der resten Crew. Wir haben unseren schon auf:-)!!!! Christoph und Sabina aus Toul

  3. Moin, Moin,
    bei so viel Stress und Missgeschick gleich am Saisonbeginn kann ja des restliche Jahr nur gut werden.
    Wir wünschen Euch einen guten ersten Törn und wünschen Euch, dass nun alles repartiert ist. Vom 04. bis 07. Juni sind wir in Berlin; vielleicht klappt ein Treffen mit Dirk und Sussan.

    Liebe Grüße aus dem
    Wilden SüdenDoris und gérard

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